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26.01.2026   Bezirk: Lichtenberg

NS-verherrlichender Einschüchterungsversuch gegen JFE in Neu-Hohenschönhausen


Eine Jugendfreizeiteinrichtung in Neu-Hohenschönhausen erhielt eine per Handschrift an sie adressierte Postkarte eines extrem rechten Verlags.

Die Karte wirbt für einen Comic zum Thema ​"Was war los in Nemmersdorf?". Dies bezieht sich auf das Massaker von Nemmersdorf im Oktober 1944. In Nemmersdorf (heute Majakowskoje, Russland) war eines der ersten deutschen Dörfer, die von der Roten Armee besetzt wurden. Nach der Rückeroberung durch die Wehrmacht wurden dort zahlreiche getötete Zivilisten gefunden. Dieses Ereignis wurde damals massiv von der NS-Propaganda instrumentalisiert, um den Widerstandswillen der Bevölkerung gegen die vorrückenden sowjetischen Truppen zu stärken. Die genauen Umstände und Opferzahlen sind unter Historiker*innen Gegenstand von Untersuchungen, wobei die NS-Berichterstattung nachweislich Übertreibungen und Inszenierungen enthielt. Der werbende Verlag wird von Verfassungsschutzbehörden und Expert*innen der extremen Rechten als Akteur der Neuen Rechten eingestuft und versucht häufig, geschichtspolitische Themen durch das Medium Comic neu zu besetzen. Auch mit dieser Karte wird ein typisches Narrativ extrem rechter und neurechter Kreise bedient, das behauptet, deutsche Opfererfahrungen würden in der offiziellen Geschichtsschreibung unterdrückt.

Auf der Vorderseite der Karte ist ein im Comic-Stil gezeichneter Soldat in Wehrmachtsuniform abgebildet.

​Auf der Rückseite wurde ein Teil eines Aufklebers aus einem einschlägig bekannten Neonazi-Versand aufgeklebt. Die Illustration zeigt eine junge Frau mit blonden Flechtzöpfen im Stil des "Bundes deutscher Mädels" ("BDM") aus der NS-Zeit, die eine schwarz-weiß-rote Reichsflagge hält. ​Unten rechts ist das Logo einer Marke zu sehen, die ebenfalls dem extrem rechten Spektrum zugeordnet wird.

Die personalisierte Zusendung der NS-verherrlichenden Karte kann als Einschüchterungsversuch gegenüber der Einrichtung verstanden werden. Die Einrichtung vertritt in ihrer alltäglichen Arbeit einen antidiskriminierenden und aufklärerischen Ansatz über die Gefahren der extremen Rechten gegenüber den dort verkehrenden Jugendlichen.

Weiterhin wurden am Eingang der Jugendfreizeiteinrichtung zwei extrem rechte Aufkleber auf deren Briefkasten gefunden und entfernt. Ein Motiv richtete sich mit dem Slogan "Enkel gegen links" gegen politische Gegner*innen der extremen Rechten. Das andere Motiv stammte aus einem Neonazi-Versand und beinhaltete die antimuslimische und rassistische Parole "Habibi-freie Zone - Hier wird Deutsch gesprochen!" in Kombination mit einem Reichsadler. Auf der Sporthalle nebenan klebten zwei weitere Aufkleber aus dem extrem rechten Spektrum.

Quelle: Lichtenberger Register
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