NS-Verharmlosung bei Veranstaltung in Charlottenburg
In der Bibliothek des Konservatismus in Charlottenburg fand ein Vortrag zum Thema „Zwischen Reich und Republik – Geschichte der deutschen Nachkriegsrechten“ statt. Der Redner gilt als bekannter Vertreter der "Neuen Rechten", Mitgründer des inzwischen geschlossenen extrem rechten Instituts für Staatspolitik und Autor mehrerer Bücher im extrem rechten Antaios-Verlag.
Im Vortrag bezog sich der Redner u. a. auf Nachkriegsumfragen, in denen ein Teil der westdeutschen Bevölkerung das NS-Regime als „im Prinzip nicht schlecht“ bewertete, und nutzte eine verkürzte Deutung dieser Aussagen als „unpolitisch“ und auf eine angebliche „Friedenszeit“ bezogen, ohne darauf hinzuweisen, dass diese Aussagen und die Einrdonung als "unpolitisch" und auf eine "Friedenszeit bezogen" bereits damals als Problem dargestellt wurden. Dadurch konnte der Eindruck entstehen, soziale oder wirtschaftliche Aspekte könnten vom NS-System getrennt werden, obwohl Verfolgung, Entrechtung, Zwangsarbeit und Gewalt zentrale Bestandteile waren und auch die Grundlage für vermeintlich positive Aspekte wie weniger Arbeitslosigkeit bildeten.
Darüber hinaus wurden anhaltende NS-Zustimmungen als Randphänomen einzelner Personen dargestellt. Dies kann als verharmlosend bewertet werden, weil dadurch die nachgewiesenen offenen Zustimmungen zum NS und den NS-Verbrechen ignoriert werden. Die sachlich wirkende Geschichtserzählung des Referenten erzeugte einen neutralen Eindruck, kann jedoch durch Auslassung und fehlende Einordnung eine verharmlosende Deutung und Normalisierung des Nationalsozialismus begünstigen.