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01.06.2026 Koordinierung der Berliner Register

Behindertenfeindlichkeit in Berlin: Dokumentation bildet nur einen Bruchteil ab


Die Berliner Register erfassen berlinweit extrem rechte und diskriminierende Vorfälle, um diese sichtbar zu machen und zivilgesellschaftliches Handeln dagegen zu stärken. Behindertenfeindlichkeit weist im Gegensatz zu anderen dokumentierten Diskriminierungsformen niedrige Vorfallzahlen auf: 149 Fälle hatten ein behindertenfeindliches Motiv, von insgesamt über 8000 gesammelten Fällen im Jahr 2025. Im Jahr 2024 waren es noch 77 gewesen.

Denn Menschen mit Behinderung finden für ihre Anliegen wenig Aufmerksamkeit, sind im Alltag mit gesellschaftlichen Barrieren konfrontiert und, wie der Paritätische Wohlfahrtsverband (DPWV 2026: Drohender Kahlschlag im Sozialen) aufzeigte, von sozialen Kürzungen besonders bedroht. Betroffene machen zum Teil die Erfahrung, dass ihre Erlebnisse nicht ernst genommen werden. Oder es fehlt die Information darüber, dass abwertende oder ausschließende Erlebnisse gemeldet werden können.

Der Anstieg gegenüber dem Vorjahr liegt an einer verbesserten Quellenlage, da mehr Vorfälle über Fachstellen bekannt wurden. Dank der Daten von der Antidiskriminierungsberatung Alter, Behinderung, Chronische Erkrankung (ADB) konnte das Dunkelfeld ein wenig mehr erhellt werden. Die ADB berät und unterstützt Menschen barrierefrei bei der Duschsetzung ihrer Rechte.

Ausgrenzungen im Alltag

127 der 149 behindertenfeindlichen bzw. ableistischen Vorfälle (85 Prozent) waren strukturelle Benachteiligungen. Menschen mit Behinderung erfuhren dabei Hürden, die eine gleichberechtigte und demokratische Teilhabe verhindern. Nach Rassismus sind sie in unseren Zahlen die am meisten betroffene Gruppe.

Diese strukturelle Benachteiligung findet an verschieden Orten der Stadt statt. Besonders häufig wurde dabei die Benachteiligung im Arbeitskontext, bei Behörden, im Wohnungskontext und im Gesundheitssystem dokumentiert (siehe Abbildung). So wurde die Suche nach barrierefreiem Wohnraum erschwert, denn es fehlt im Land Berlin schlicht an einem Verfahren, damit Menschen mit Behinderung gezielt barrierefreie Wohnungen erhalten. Bei der Bundestagswahl gab es in einem Lichtenberger Wahllokal keinen barrierefreien Zugang zu den Wahlräumen (Quelle: Lichtenberger Register). Im April wurde einer Person mit Hörbehinderung mehrfach eine medizinische Dienstleistung verweigert (Quelle: ADB).

Konkrete Anfeindungen zeigen extrem rechte Ideologie

Darüber hinaus konnten 5 körperliche Angriffe sowie 16 Beleidigungen und Bedrohungen erfasst werden. Im Dezember schubste jemand eine Frau mit Rollator in einem Aufzug und schlug dann zu, niemand auf dem S-Bahnsteig Schönhauser Allee half (Quelle: Berliner Register). Die Betroffenen der Gewalt waren vor allem bei Angriffen zum größten Teil Frauen. Bei Bedrohungen, Beleidigungen und Pöbeleien, sowie bei struktureller Benachteiligung war das Verhältnis demgegenüber ausgeglichen.

Behindertenfeindlichkeit zeigt sich nicht nur durch strukturelle Benachteiligungen und alltägliche Diskriminierungen, sondern knüpft auch an NS-Ideologie an. In der Zeit der Nationalsozialisten wurden Menschen neben antisemitischen, rassistischen oder queerfeindlichen Gründen auch nach ihrer vermeintlichen "Nützlichkeit" eingeteilt und verfolgt. Menschen mit Behinderung oder psychischen Erkrankungen galten danach als "lebensunwert". Noch heute ist die Behindertenfeindlichkeit ein fester Bestandteil neonazistischer Ideologie und zeigt sich auch Berliner Alltag, wie in einem Beispiel aus Adlershof: Am 23. April 2025 drohte ein Mann auf dem Marktplatz einem älteren Herrn mit der „Gaskammer“ (Quelle: Register Treptow-Köpenick).

Die gemeldeten Vorfälle bilden nicht annähernd ab, was Menschen mit Behinderung in Berlin widerfährt. Doch ihre gleichberechtigte Teilhabe ist Gradmesser und Voraussetzung einer demokratisch verfassten Gesellschaft. Jeder gemeldete Vorfall von behindertenfeindlicher Diskriminierung schafft Öffentlichkeit und Möglichkeiten Gegenmaßnahmen einzufordern.

Deshalb wollen wir Sie ermutigen: Wenn Sie behindertenfeindliche Vorfälle erleben, beobachten oder davon erfahren, melden Sie diese bei uns, um das tatsächliche Ausmaß von Behindertenfeindlichkeit in Berlin sichtbar zu machen – auf Wunsch selbstverständlich anonym.

Kontakt, Meldemöglichkeiten und mehr Informationen: www.berliner-register.de
Teile der Website sind auch in Leichter Sprache und Deutscher Gebärdensprache verfügbar.

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Hintergrundberichte
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