Aktivitäten der Neonazi-Kleinstpartei „Der III. Weg“ im Jahr 2025 in Berlin
Hinter Aufklebern und einzelnen Übergriffe stehen in Berlin militante Neonazis. Die Berliner Register dokumentierten für das Jahr 2025 insgesamt 8286 diskriminierende und extrem rechte Vorfälle. Davon konnten 772 Vorfälle (etwa 9 Prozent) der Neonazi-Kleinstpartei „Der III. Weg“ zugeordnet werden. Erfasst wurden nur Vorfälle mit eindeutiger Verbindung zur Partei, etwa durch ihr Werbematerial oder durch Bedrohungen und körperlichen Übergriffe, bei denen Tatverdächtige z.B. aufgrund von Kleidung als Parteimitglieder erkannt wurden. Auszugehen ist von einer hohen Dunkelziffer, da Parteimitglieder und Sympathisant*innen vermutlich auch mit weiteren Vorfällen in Verbindung standen, bei denen sie als Täter*innen unerkannt blieben.
„Der III. Weg” ist derzeit die wichtigste organisierte Neonazistruktur in Berlin. Die Partei entstand nach dem Verbot mehrerer extrem rechter Kameradschaften und gilt als Sammelbecken militanter Neonazis und ehemaligen NPD-Kader und ist seit 2015 in Berlin aktiv. Anders als klassische Parteien konzentrieren sie sich weniger auf Wahlen als auf öffentliche Präsenz und Aktionen auf der Straße. Inhaltlich propagiert sie ein völkisches Weltbild, das sich ästhetisch und ideologisch am Nationalsozialismus orientiert. Besonders beunruhigend ist, dass „Der III. Weg“ gezielt junge Menschen anspricht und versucht, diese für ihre Jugendorganisation, die „Nationalrevolutionäre Jugend“ („NRJ“), anzuwerben. Dadurch schafft sie Strukturen, in denen junge Menschen von erfahrenen Neonazis an aktions- und gewaltorientierten Ideologien herangeführt werden. „Der III. Weg“ schließt somit eine Lücke im organisierten Neonazismus, insbesondere durch seine Jugendarbeit.
Die Partei fiel in den letzten Jahren durch ein hohes Gewaltpotential auf. Im Jahr 2024 dokumentierten die Berliner Register regelmäßige Kampfsporttrainings, u.a. im öffentlichen Raum. Diese richteten sich vor allem an jungen Sympathisant*innen und sollen auf körperliche Auseinandersetzungen auf der Straße vorbereiten.
Gewaltpotential von „Der III. Weg“
Auch im Jahr 2025 spiegelte sich die hohe Gewaltbereitschaft in den Zahlen der Berliner Register wider. Die Anzahl von körperlichen Angriffen stieg von 2 Vorfällen auf 5 an, dabei sticht die Qualität der Angriffe besonders hervor. Währenddessen erfuhren die Berliner Register von 10 Beleidigungen, Bedrohungen und Pöbeleien (Vorjahr 2024: 18-mal). Die Anfeindungen und Pöbeleien richteten sich vor allem gegen politische Gegner*innen. Mehrere Hitlergrüße wurden ebenfalls dokumentiert. Hier zeigt sich der Ausdruck ihres Weltbildes. Fast alle Vorfälle ereigneten sich am Ostberliner Stadtrand, bis auf eine Ausnahme in Friedrichshain.
Die dokumentierten Angriffe zeichnen ein ähnliches Bild. Diese richteten sich vor allem gegen politische Gegner*innen oder waren rassistisch motiviert. Die Angriffe ereigneten sich in Marzahn-Hellersdorf, dem Bezirk, in welchem sich die Partei am stärksten engagiert, und Friedrichshain-Kreuzberg, welches als Bezirk mit einer linken Szene und eine starken Zivilgesellschaft bekannt ist. Sie glauben, dort auf politische Gegner*innen und Menschen zu treffen, die nicht in ihr Weltbild passen. Bei Veranstaltungen der Kleinstpartei in Marzahn-Hellersdorf kam es zu mehreren Konfrontationen mit demokratisch engagierten Bürger*innen, die gegen die neonazistische Partei demonstrierten. „Der III. Weg” nutzte diese Gelegenheiten für 3 Angriffe auf Gegendemonstrant*innen und Journalist*innen, die diese verletzen und einschüchtern sollten.
In Friedrichshain hingegen kam es zu zwei organisierten Angriffen gegen ihre politischen Gegner*innen. Betroffen war dabei auch eine Kneipe, die zur linken Szene zählt. Die Täter waren teilweise mit einem Hammer und Schlagstöcken bewaffnet und konnten der „NRJ“ zugeordnet werden. Sie verursachten einen Sachschaden und konnten von Zeug*innen gehindert werden in das Haus einzudringen. Diese Angriffe zeigen das organisierte und gewaltbereite Vorgehen der jüngeren Neonazi-Kader des „III. Wegs“, die nun die neue Generation der Partei bilden. Auch eine gezielte Sachbeschädigung eines Jugendclubs in Charlottenburg passt in diese Entwicklung. Weiterhin sollten diese bedrohenden Aktivitäten beobachtet und in der Gesellschaft thematisiert werden.
Propaganda von „Der III. Weg“ in den Berliner Bezirken
Doch bei den Meldungen mit Bezug auf „Der III. Weg“ geht es nicht nur um Bedrohungen verbaler und körperlicher Art und Angriffen: Beim Großteil der Meldungen handelte es sich mit 733 Vorfällen um Propaganda. Das bedeutet ca. 95 Prozent der gemeldeten Vorfälle im Zusammenhang mit „Der III. Weg“ kann Werbematerial, Flyern, Stickern o.a. zugeordnet werden. Diese fanden sich in allen der 12 Berliner Bezirke wieder. Es lassen sich jedoch deutliche Schwerpunkte erkennen: Die Aktivitäten der Partei finden vor allem im Osten der Stadt und vereinzelt in Randbezirken statt. Andere Bezirke wie Mitte, Friedrichshain-Kreuzberg oder Charlottenburg-Wilmersdorf dokumentierten im Gegensatz dazu jeweils höchstens 10 Vorfälle von Propaganda der Partei „Der III. Weg”.
Die Propaganda dient vor allem dazu, die eigene Partei zu bewerben. Weitere Aufklebermotive richten sich gegen alle Menschen, die nicht in ihr neonazistisches Weltbild passen. Beispiele dafür sind ein antisemitischer Aufkleber mit einem blutigen Davidstern, der LGBTIQ*-Feindliche Aufkleber „Familienglück statt LGBTQ” und der rassistische Aufkleber „Ausländergewalt beenden Massenabschiebung starten”.
Neben der Propaganda lässt sich ein weiteres Mittel zur Verbreitung des Weltbildes der Neonazi-Partei erkennen: die Veranstaltungen. Die Berliner Register dokumentierten sie 23-mal in 6 unterschiedlichen Bezirken. Diese dienen vor allem der Raumnahme und der Eigenwerbung mit Hilfe von Flyeraktionen, Infoständen, Demonstrationen und anderen Formen der Selbstinszenierung wie öffentliche Kampfsporttrainings. Deutlich wird bei der bezirklichen Verteilung: Zwar werben sie vereinzelt auch in der Innenstadt für sich mit Veranstaltungen, legen jedoch einen größeren Fokus auf die östlichen Bezirke, in denen sie sich schon etabliert haben.
Wie in den vergangenen Jahren fokussierte „Der III. Weg“ seine Aktivitäten auf Marzahn-Hellersdorf, welcher mit 278 Meldungen von Propaganda und 8 Veranstaltungen mit dem Bezirk Treptow-Köpenick mit 134 Meldungen von Propaganda in Berlin besonders hervorsticht. Die Gesamtzahl der gesammelten Fälle zeigt, dass die Partei ihre Aktivitäten räumlich auf wenige Bezirke beschränkt. Ein Schwerpunkt war dabei wie in den vorherigen Jahren der Bezirk Marzahn-Hellersdorf mit insgesamt 394 Vorfällen.