Jahresbericht 2020 der Berliner Register erschienen

"Das Jahr 2020 war nicht gewöhnlich. Es war geprägt von Ereignissen, die die gesamte Gesellschaft betrafen, weil sie tiefe Wunden sichtbar gemacht und neue geschaffen haben. Am 19. Februar 2020 erschoss ein rechter Gewalttäter aus rassistischer Motivation in Hanau neun Menschen mit Migrationsgeschichte. Zeug*innen der Tat, Angehörige und Freund*innen der Ermordeten kritisieren das Vorgehen der staatlichen Ermittlungsbehörden in der Tatnacht und die mangelhafte Aufarbeitung von Fehlern, die im Zusammenhang mit der Tat durch staatliche Institutionen gemacht wurden. Sie empfinden Schmerz, Wut und Trauer. Der Rassismus, der zur Ermordung ihrer Liebsten führte, ist tief verankert und weit verbreitet in der deutschen Gesellschaft. Rassismus prägt den Alltag und die Lebenswege vieler Menschen. Dies zeigte sich auch nach dem Tod des Schwarzen US-Amerikaners George Floyd. Er war am 25. Mai 2020 während einer Polizeimaßnahme trotz Interventionen und Kameraaufnahmen von einem weißen Polizisten erstickt worden. In der öffentlichen Debatte wurde Rassismus zunächst als Problem in den USA verortet, in deutschen Talkshows wurden Menschen mit Migrationsgeschichte nur selten eingeladen, um zu dem Thema zu sprechen. Erst in den Monaten danach wurde, verstärkt durch die Black-Lives-Matter-Bewegung, Rassismus in der deutschen Gesellschaft, in den Medien und in der Polizei öffentlich thematisiert. In der Öffentlichkeit gibt es seitdem etwas mehr Raum, um die Perspektiven von Menschen wahrzunehmen, die Rassismus erfahren.

Auf die Dokumentation der Registervorfälle hatten beide Ereignisse nur mittelbare Auswirkungen, aber ihre Analyse stützt das, was Betroffene schildern. Sie zeigt, dass Rassismus kein Phänomen am Rand der Gesellschaft ist, sondern dass er Alltag ist und erhebliche Auswirkungen auf die Lebensgestaltung vieler Menschen hat.
Die Corona-Pandemie ist eine weitere Zäsur, die weltweit alle Menschen betrifft. Ab Mitte März wurden in Berlin erste Kontaktbeschränkungen und Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie umgesetzt. Schulen, Ämter, Sportanlagen, Clubs und Kneipen wurden geschlossen, öffentliche Veranstaltungen anfangs untersagt, nur Bau- und Supermärkte waren geöffnet. Die Registerstellen vermuteten, dass die massiven Einschränkungen des öffentlichen Lebens, die Reduzierung von Mobilität und von sozialen Kontakten, zu einem Rückgang der Vorfälle führen würden. Aber es kam anders."

So schreiben die Berliner Register in der Einleitung um Jahresbericht für 2020.

Die Broschüre fasst Berichte aus allen Berliner Bezirken und eine berlinweite Übersicht zusammen und gibt so einen Überblick über extrem rechte und diskriminierende Vorfälle in der Stadt.

Die Broschüre wurde im September fertiggestellt und ist nun digital und gedruckt erhältlich.

Die Broschüre steht hier zum Download bereit oder kann kostenlos bestellt werden.