Antifeminismus

Antifeminismus ist eine Gegnerschaft zu feministischen Emanzipationsbestrebungen. Er richtet sich beispielsweise gegen die Anerkennung und Achtung der gleichen Menschenwürde der Geschlechter, die Verwirklichung der geschlechtlichen Gleichstellung in allen Lebensbereichen oder die Forderung nach sexueller und reproduktiver Selbstbestimmung. Antifeminismus ist eine Reaktion auf die Gesamtheit oder einzelne feministische Anliegen. Antifeminismus ist zumeist ein wesentlicher Bestandteil rechtspopulistischer und extrem rechter politischer Strategien und Ideologien. Er hat bei Tätern extrem rechter Terroranschläge als Bestandteil ihrer Ideologie an Bedeutung zugenommen. Deswegen dokumentieren die Berliner Register Antifeminismus ab dem Jahr 2021.

Antifeminismus spielt überregional bei rechten Terroranschlägen, aber auch in der Kommunikation in Sozialen Netzwerken eine große Rolle. Beispiele dafür sind der Terroranschlag auf sozialdemokratische Jugendliche auf der norwegischen Insel Utøya (2011), der Terroranschlag auf muslimische Menschen in der neuseeländischen Stadt Christchurch (2019), der antisemitische Anschlag in Halle (2019) und der rassistische Anschlag in Hanau (2020). In den sozialen Netzwerken werden Politikerinnen, Aktivistinnen und Publizistinnen gezielt mit Hetzkampagnen, Shitstorms und Bedrohungen überzogen. Beispiele sind Kampagnen gegen die Politikerinnen Renate Künast, Sawsan Chebli, Anne Helm, Angela Merkel, Annalena Baerbock und die Drohbriefe des „NSU 2.0“ (2018 bis 2021).

Antifeminismus überschneidet sich teilweise mit Phänomenen, die die Register nicht dokumentiert. Dazu gehören Sexismus, Frauenfeindlichkeit und Misogynie. Misogynie ist dabei die grundsätzliche Vorstellung der Minderwertigkeit von Frauen und als weiblich erkannten Menschen. Sexismus ist eine Alltagserscheinung, die sich in Handlungen wie sexueller Belästigung, Benachteiligung, Abwertung und körperlicher Gewalt, aber auch in strukturellen und institutionellen Benachteiligungen zeigen.

Zusätzlich kann Antifeminismus auch mit Rassismus, Antisemitismus, LGBTIQ*-Feindlichkeit und anderen Formen von Diskriminierung zusammenwirken. Auch werden z.B. beim sogenannten "Marsch für das Leben" Schwangerschaftsabbrüche mit der Shoa gleichgesetzt und somit die Shoa verharmlost.

Ein Vorfall wird unter Antifeminismus dann von den Berliner Registern erfasst, wenn dieser:

  • ereignisbezogen stattfindet (z.B. Veranstaltung, Angriff) oder organisiertes Vorgehen ist (z.B. soziale Netzwerke, Organisationen, Akteur*innen, religiöser Fundamentalismus) und zusätzlich
  • als kultureller Kampf mit klaren Botschaften erkennbar wird oder als Teil einer politischen Strategie identifiziert werden kann.

Antifeministische Ereignisse zeichnen sich aus durch ein gezieltes Vorgehen gegen …

  • bestimmte Einrichtungen, die Interessen von Frauen vertreten, z.B. Frauenhäuser, Beratungsstellen, ausgewählte Geschäfte
  • gegen politische Akteur*innen, z.B. Politiker*innen, feministische Aktivist*innen, Publizist*innen und oder feministische Gruppen
  • bestimmte Berufsgruppen, z.B. Sexarbeiter*innen
  • ausgewählte Frauen, insbesondere gegen Lesben, gegen inter Menschen, gegen trans Menschen
  • Kritiker*innen von bestehenden geschlechtlichen Machtverhältnissen und von Diskriminierung
  • politische Instrumente der Verwirklichung der Gleichstellung aller Geschlechter als Verfassungsauftrag (bspw. Gender Mainstreaming, Gender Budgeting, gesetzliche Umsetzung internationaler Verträge zum Schutz von Frauen, sexuelle Selbstbestimmung).